Sonntag, 19. Oktober 2014

Ankommen

Nach dem, in einer Bar mit allen Mitfreiwilligen und sogar einigen der Lehrer gebührend gefeierten, letzten Abend ist es Zeit, "nach Hause" zu fahren. Mit ein paar Anderen fahre ich Richtung Süden in die Berge. Der Reisebus fährt mitten durch einen kleinen Nationalpark und wir sehen eine Menge Antilopen und Affen, ein paar Giraffen und auch Elefanten. Man kommt sich hier manchmal vor wie ein kleines Kind: Während wir an den Fensterscheiben kleben und uns gegenseitig begeistert erzählen was wir sehen,  schenken die anderen Businsassen dem überhaupt keine Beachtung. In Njombe, der nächsten großen Stadt vor Tandala, bleiben wir zu Sechst übers Wochenende, um uns noch einen irgendwofür nötigen Stempel im Pass zu besorgen. Obwohl nicht vergleichbar mit Riesenstädten wie Daressalam gibt es in Njombe  wirklich fast alles. In einem Molkereiladen erstehen wir sogar einen Käse und sind restlos begeistert. Wir wohnen in einem ziemlich schönen Hotel, dessen super netter Besitzer diejengen die schon weiter fahren bereitwillig zum Busstand und uns anderen am Montag Morgen sogar zum Immigration-office führt. Dort bekommen wir nach einer angemessenen Wartezeit von ungefähr 1,5 Stunden unsere Pässe mit einer sehr offiziell aussehenden neuen Sete wieder, auf der mehrere Stempel und handgeschriebe Vermerke prangen.
Nach diesem Erfolg machen wir uns an die letzte Wegetappe und nehmen den Bus nach Tandala. Obwohl ich hier schon mehrmals Bus und Daladala gefahren bin und wir auch auf Fahrten mit dem Sprachkurs immer sehr gequetscht saßen, lässt sich nichts wirklich mit dieser Fahrt vergleichen. Man kann sich einfach tatsächlich nicht bewegen. Gar nicht. Unsere Rucksäcke werden mit irgendwelchen Schnüren auf das Dach gebunden und ich befürchte ein bisschen, mein Gepäck nach so langer gut überstandener Reise kurz vorm Ziel doch noch irgendwie zu verlieren. Aber es geht natürlich alles gut, die Leute wissen wohl schon, was sie tun. Die Aussicht während der Fahrt macht auch einiges wieder wett. Wir fahren jetzt richtig durch Berglandschaft und man hat einen echt weiten Blick.
Nach 3 langen Stunden steigen wir - Matteo, Dustin und ich - in Ikonda aus. Nach einem kurzen Markteinkauf und einigen "Wazungu!" (Weiße!)-Rufen werden wir von Erick, dem Fahrer des Diakoniezentrums Tandala abgeholt. Knapp 10  Minuten später stehe ich plötzlich in meinem Haus und bin sehr sehr froh, mein schweres Gepäck, das ich seit 3 Wochen immer wieder weiter schleppen musste, endlich richtig ablegen zu können. Die Wohnung ist richtig gemütlich und es hängt ein "Karibu sana" (herzlich wilkommen) Schild an der Wand.

Freitag, 3. Oktober 2014

Sprachkurs

Der Tagsablauf unseres 2-wöchigen Sprachkurses ist folgender:
- 7:00 Frühstück
- 7:45 Morgenandacht im Klassenzimmer
- 8:00 bis 10:00 "lecture" über Kiswahili-Grammatik & Vokabeln Teil 1
- 10:00 bis 10:30: chai - Tee/Kakao und was zu essen, mandasi, popcorn, nüsse oder so
- 10:30 bis 12:00 "lecture" über Kiswahili-Grammatik & Vokabeln Teil 2
- 12:00 Mittagessen (ziemlich gut übrigens)
- 12:00 bis 14:30 Mittagspause
- 14:30 bis 16:00 Group drills - intensive aber recht stumpfsinnige Übungen in 3er Gruppen mit jeweils
  eigenem Lehrer
- der Rest des Tages: Frei
Der Tag besteht eigentlich aus Essen und lernen, zwischendurch mal ein bisschen Volleyball oder Karten spielen, Wäsche waschen oder in die Stadt fahren um einzukaufen.. Wir werden hier ganz schön gemästet, zum Chai (Tee)  gibt es meistens noch Mandazi (ein bisschen wir Krapfen) oder Süßkartoffeln oder geröstete Nüsse.

Viehmarkt

Ein Höhepunkt ist der Ausflug zum Masai-Viehmarkt. Nach ca. einer Stunde Fahrt befinden wir uns plötzlich auf einem riesigen Platz voll mit vielen Marktständen , traditionell gekleideten Masai und Kühen und Ziegen. Einer der Sprachschullehrer, der uns begleitet  und selbst ein Masai ist erklärt uns, dass Kühe in der Masai-Kultur immernoch die Hauptwährung darstellen. Auf dem Markt hier werden sie einzeln und in größeren Mengen verkauft und werden durch die Menge getrieben. Es gibt auch eine Ecke, in der geschlachtet wird. Wir gehen schnell weiter als wir die schon halb tote Ziege noch zappeln sehen, aber außer uns schenkt dem Niemand Beachtung.
Hier fallen wir mehr auf als bisher irgendwo und nicht wenige Masai ziehen zwischen ihren traditionell umgebundenen Tüchern plötzlich  Handy's  hervor und fotographieren uns (ungefragt und teilweise aus 2 Metern Entfernung) - eine kurose Erfahrung, ich weiß noch nicht recht was ich davon halte.

Bergwandeung

Am vorletzten Tag machen wir einen Wanderausflug auf einen der Berge in der Umgebung. Es geht ziemlich steil hoch und ist echt anstrengend, aber die Landschaft ist die ganze Zeit wunderbar. Erstaunlicherweise scheinen bis ganz Oben noch immer mal Leute zu wohnen und ihre Felder zu bebauen. Unser Ziel ist ein - ironischerweise in der Kolonialzeit von Deutschen gebautes - Häuschen, das schon ziemlich verfallen ist. Wegen des dort so besonders schön anzusehenden Sonnenaufgangs nennt der Platz sich "morning sight". Wir sind leider Mittags da, aber es st trotzdem großartig dort zu rasten.
Auf dem Rückweg laufen wir durch Bananenwälder. Die vielen Schulkinder denen wir entgegen kommen finden es wohl ziemlich lustig, uns zu treffen und wollen uns unbedingt alle einmal abklatschen, um danach dann kichernd davon zu rennen..
unsere Swahili-Klasse

Bergwanderung

tansanischer Grashüpfer
Frauen auf dem Weg zur Feldarbeit


Donnerstag, 11. September 2014

Losgehen...


Nach einem schönen letzten Familienabend und dem endgültigen Abschied von zu Hause, der mir irgendwie vollkommen unwirklich vorkommt, sitze ich mit einer Mitfreiwilligen im Zug und kann nicht richtig glauben dass es losgehen soll. In Leipzig steigen noch andere Freiwillige der Leipziger Mission dazu, sodass wir zu Fünft sind, als wir gut gelaunt, ein bisschen aufgeregt und extrem vollbepackt am Dienstag um 18 Uhr am Frankfurter Flughafen ankommen.
Irgendwie finden wir uns zurecht, - eher weniger mein Verdienst - schleppen unsere Rucksäcke ungefähr Tausend Treppen hoch und runter und stehe schließlich am Gepäckabgabeschalter von Emirates. Nachdem die anderen mir erklärt haben, wass eigentlich genau ein Gate und ein Terminal ist, leuchtet mir unser Irrrweg sogar fast ein.. Engegen meine Befürchtungen wird sogar meine eigentlich zu große Gitalele anstandslos als Handgepäck akzeptiert und so sitzen wir nach einigem Warten komplett vollständig im Flugzeug.
Nach dem vierstündigen Zwischenhalt in Dubai, den wir in extrem gemütlichen Liegesesseln mitten zwischen den ganzen zollfreien superteuren Luxusläden verbringen, habe ich sogar einen Fensterplatz und kann erst Dubai und dann ganz viel Wüste und Wolken sehen.
Um 15 Uhr - also bei euch 14:00 - landen wir dann in Daressalam und betreten zum ersten Mal tansanischen Boden.

...ankommen...


Entgegen allen Befürchtungen klappt mit dem Visum alles bestens, draußen wartet wie verabredet Geoffrey, ein Mitarbeiter der lutherischen Kirche, mit unseren Daseinsberechtigungen in Form von residence permits und der zollbeamte entschuldigt sich überschwänglich bei uns, dass er 2 unserer rucksäcke durchleuchtet und winkt den Rest einfach durch.
Geoffrey setzt uns erstmal in ein Taxi zum YMCA (deutsch: CVJM) , unserem Hostel für die nächsten 3 Tage Dass mich diese erste Fahrt ein bisschen verwirrt hat liegt nicht nur daran, dass man hier auf der linken Seite fährt.. Die Straßen kommen mir erstmal überhaupt wie ein großes Chaos vor. Der Fahrer weiß aber genau was er tut und sichert sich mal mit lautem hupen die Vorfahrt, mal gibt er einem größeren Auto nach..
Wir kommen auf jeden Fall heil im YMCA an. Dort treffen wir noch 4 Freiwillige des Berliner Missionswerkes, die einen Tag vorher angekommen sind und Frauke, eine ehemalige Freiwillige auf (Heimat-)Urlaub. Da Geoffrey sich trotz Verabredung und einiger Anrufe nicht blicken lässt, ist Frauke uns erstmal behilflich beim Zurechtfinden, Einkaufen, Internet besorgen.. Man kommt sich doch erstmal erstaunlich hilflos vor und ist froh über jeden Swahili-sprechenden und Tansania-kennenden Helfer!

...entdecken...

 

Den ersten Ausflug in die neue Welt am nächsten Morgen verpasse ich leider, weil meine aus Taize mitgebrachte und in der Flugeugluft kräftig gewachsene Erkältung mich morgens nicht aufstehen lässt. Die Erkundung hole ich aber am nächsten Tag nach. Es sind unheimlich viele Leute unterwegs in der tansanischen Hauptstadt, aber als Weiße fällt man natürlich trotzdem auf - in einer 12er Gruppe gleich noch viel mehr.

Meine Geruchs- und Geschmackssinne sind leider noch nicht wieder hergestellt, trotzdem sind die von Straßenhändlern gekauften Bananen, Papayas und Orangen großartig. Überhaupt ist es interessant wie viele Leute an den Bürgersteigen sitzen und Kram verkaufen - von DVD's, Kopfhörern und anderem Technikkram über second-hand-Kleidung bis zu echten Touristen-Kitsch-Artikeln ist eigentlich alles dabei.
Wenn man grade nicht allzusehr in einem Pulk steht, sprechen einen auch viele Leute an und ich stelle fest, dass mein Name wohl gar nicht so einfach auszusprechen ist. Es werden früher oder später bestimmt Einige von uns neuen Namen kriegen - Isis zum Beispiel wird von den Vodacom-shop-Verkäufern konsequent Jesus genannt. Bei mir ist es bis jetzt eigentlich nur Juliette. Es bleibt abzuwarten was noch so kommt..
Abgesehen von allem was zu erledigen ist, machen wir 3 Ausflüge. Der erste führt uns an einen "Strand". Nach einer halben Stunde Fußweg entlang so riesigen befahrenen Straße, dass man kaum atmen kann, stehen wir auf einem recht trostlosen Küstenstreifen. Immerhin die Riesenkrabben und Maribus (oder so) sind ganz interessant und schöne Muscheln gib es auch, wenn man sie denn vom herumliegenden Müll unterscheiden kann.
Am lezten Tag in Daressalam schlendern wir mehr durch die arabisch geprägten Viertel. Hier, wo Leute wohnen, sind die Straßen immerhin nicht ganz so riesig und voll, obwohl es trotzdem manchmal abenteuerlich ist, sie als Fußgänger zu überqueren. Jedenfalls gefällt mir diese Ecke deutlich besser und ich kann mir immerhin vorstellen, dass es sich in Daressalam auch leben lässt. Unser Ziel ist eie Straße in der es einige Tuch- und Stoffläden gibt. So unheimlich viele verschiedene bunte Stoffe hab ich noch nie gesehen. Man weiß gar nicht richtig, wo man hingucken soll. Die geschäftstüchtigen Verkäufer drücken uns natürlich auch Sachen in die Hand und obwohl wir Frauke dabei haben, die ein bisschen handeln kann, zahlen wir Touristenpreise und verschaffen den Leuten wohl das Geschäft ihres Lebens. Aber ein Kanga - ein tansanisches Tuch mit Spruch drauf, das als Rock, Decke oder sonst wie verwendet werden kann - gehört einfach zur Grundausstattung.
Am letzten Abend wollen wir nochmal irgendwo gemütlich sitzen und fahren - in einem Fahrstuhl mit Liftboy (!!) - auf den Turm des Holliday-Inn , direkt gegenüber von unserer bescheidenen Unterkunft. Die Aussicht die wir uns erhofft hatten ist mäßig und die Getränke extrem teuer - aber solange wir noch in der Großstadt sind, kannn man sich den Luxus schon mal gönnen. Immerhin gibt es ganz gemütliche Live-Musik und wir feiern schließlich noch unsere gelungene Ankunft.


... lernen.


Nach knapp 3 Tagen reisen wir schon wieder weiter. Diesesmal aber mit dem Reisebus. Nachdem wir erstmal Daressalam verlassen haben, ist die Landschaft wunderschön. Die Überholsmanöver des Fahrers sind zwar etwas abenteuerlich, aber das gehört wohl dazu.
Der Weg führt nach Morogoro, wo die lutherise Kirche Tansania eine Sprachschule betreibt. Hier bleiben wir jetzt 2 Wochen. Das Gelände ist riesig  - Es gibt Affebbrotbäume und andere exotische Pflanzen, der Boden besteht aus tiefrotem Sand und der Ausblick auf die Uruguru-Berge ist super schön. Man kann eigentlich kaum Fotos machen, weil  darauf einfach alles so unecht aussieht..
Es gibt auf dem Gelände hier noch ein leadership-seminar und eine Secondary-school, es ist laufen also recht viele Leute rum, mit denen man Fußball oder Volleyball spielen kann, was auch fleißig gemacht wird..
Der Sprachkurs ist ziemlich anstrengend, weil man so extrem viel neues lernt. Gerade kann ich mir auch kaum vorstellen, irgendwann einfach ganz entspannt Swahili plappern zu können, aber es macht auf jeden Fall Spaß.

Ich könnte noch Tausend andere Sachen erzählen, aber das reicht euch vielleicht erstmal... es ist ja doch recht viele geworden.. :)

Tutaonana, bis zum nächsten Mal!
Judith
Strand von Daressalam

Eidechsen gibt es hier überall...

Mondnacht in Tansania

Affenbrotbaum

Landschaft Morogoro

Hausaufgaben machen..

die Berge